Archiv für den Monat: Dezember 2016

Stadtrundgang Hamburg

Im März diesen Jahres habe ich anlässlich eines Geburtstages an einem Stadtrundgang teilgenommen, der von Hein Schlüter erarbeitet und geführt wurde. Er organisiert und leitet Hamburger Stadtführungen, siehe auch unter www.heinschlueter.de. Leider konnte ich wegen der Kälte wenig oder überhaupt nicht fotografieren, so dass ich mir vornahm, diese Tour noch einmal zu machen, wenn es wärmer geworden war. Ich schrieb mir daher nach der Führung die einzelnen Stationen auf und suchte nach Informationen darüber bei Wikipedia. Da ich nicht alleine gehen wollte und auch jemand brauchte, der die Informationen vortragen konnte, während ich mich dem fotografieren widmete, sagte ich im Familien- und Freundeskreis Bescheid, bis sich einige Interessenten gefunden hatten. Bald schon hatten wir auch einen gemeinsamen Termin gefunden, den wir allerdings aus verschiedenen Gründen mehrmals verschieben mussten. Ende Oktober war es dann soweit, wir trafen uns zu viert an der U-Bahn Station Messberg, um den Stadtrundgang durchzuführen. Ich hatte schon befürchtet, dass es inzwischen wieder zu kalt zum fotografieren sein würde, doch das Wetter war perfekt. Meine Nichte hatte sich netterweise bereit erklärt, die Informationen zu den einzelnen Stationen vorzutragen. Wir starteten unseren Rundgang an der Fischertwiete.

Die Fischertwiete wurde vom Chilehaus überbaut. Hier entstand ein Innenhof des Chilehauses. Die Fischertwiete führt auf den Meßberg, der seit dem Mittelalter als Gemüsemarkt diente.

Das Chilehaus ist ein Kontorhaus, dass mit seiner Spitze an einen Schiffsbug erinnert.

Es wurde vom Architekten Fritz Höger von 1922 -1924 erbaut. In Hamburg war es üblich, den Kontorhäusern einen Namen zu geben, und da der Bauherr Henry B. Sloman sein Vermögen durch den Handel mit Salperter aus den Minen in Chile erworben hatte, nannte er das Haus „Chilehaus“.

Das Haus gehört mit dem Sprinkenhof, anderen Kontorhäusern und dem zentralen Burchardplatz zum Kontorhausviertel, welches am 5. Juli 2015 zusammen mit der Hamburger Speicherstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde.

Weiter ging es über den Burchardplatz in Richtung Altstädter Straße und Altstädter Hof. Das Gebäude wurde von 1936 bis 1937 erbaut und enthält im Erdgeschoss Läden und Geschäfte, in den Stockwerken darüber 220 Wohnungen. Der Architekt war Rudolf Klophaus. Zahlreiche Sandsteinskulpturen von Richard Kuöhl, über den Hauseingängen angeordnet, stellen typische Hamburger Berufe dar. Die Statuen sind verwittert, einigen fehlt der Kopf.

Weiter ging´s zur Steinstraße, deren Name daran erinnert, dass sie schon im 13. Jahrhundert, als Beginn der alten Landstraße nach Lübeck, gepflastert war.

Folgendes passierte damals auf der Steinstraße, der Reim ist von Walter Rothenburg:

„An de Eck von de Steenstroot steiht ’n Olsch mit Stint,
will mi vertellen, dat dat Schellfisch sünd.
Dor kummt een Schutzmann, de seggt ganz slau:
‚Mien leebe Froo, dat sünd jo Kabeljau!‘“

Wir sind dann über den Speersort zum Domplatz gelangt, wo bis 1806 der Hamburger Dom gestanden hat. Siehe die beiden folgenden Fotos.

Der Hamburger Dom, auch als Mariendom oder Alter Mariendom bezeichnet, war eine Domkirche, die im Jahr 1805 abgerissen wurde. Sie war ursprünglich Bischofssitz des Erzbistums Hamburg, das im 9. Jahrhundert mit dem Bistum Bremen vereinigt wurde. Erster Bischof wurde der Benediktinermönch Ansgar von Bremen, der als Mutterkirche für die Mission eine Marienkirche errichten ließ, die noch ein schlichter Holzbau war und doch der Uranfang der großen Hamburger Kathedrale (Dom) werden sollte. Sitz des Erzbischofs wurde Bremen, in Hamburg verblieb nur ein Kapitel und die Kirche behielt die Bezeichnung „Dom“. Nach einigen Vorgängerbauten wurde im 13. Jahrhundert eine mächtige Kirche im gotischen Stil erbaut. Nachdem Hamburg im Zuge der Reformation 1529 lutherisch geworden war, bildete der Dom eine Enklave des Bremer Erzbistums im Hamburger Stadtgebiet. Am Anfang des 19. Jahrhunderts fiel die Kirche an Hamburg und wurde kurz darauf abgerissen. Der Alte Mariendom ist namensgebend für das gleichnamige Volksfest Hamburger Dom. Im 11. Jahrhundert suchten Händler und Handwerker, die auf dem benachbarten Markt ihre Stände hatten, bei „Hamburger Schietwetter““ Schutz im Dom. Nach Abriss der Kirche verteilten sich die Händler und Schausteller auf die Marktplätze der Stadt: den Gänsemarkt, den Pferdemarkt, den Zeughausmarkt und schließlich den Großneumarkt. Erst 1893 wurde ihnen das Heiligengeistfeld als neuer Standort zugewiesen, wo das bekannte Volksfest noch heute stattfindet.

Gegenüber dem Domplatz befindet sich die Kirche St. Petri.

Die Sankt-Petri-Kirche ist die älteste Pfarrkirche Hamburgs. Sie ist nach dem Apostel Petrus benannt und gehört zu den fünf Hamburger Hauptkirchen (St. Petri, St. Katharinen, St. Michaelis, St. Nikolai, St. Jacobi). Mit ihrer Lage an der Mönkebergstraße und an der Bergstraße markiert sie bei 9,48 m ü. NN den höchsten Punkt von Hamburg-Altstadt. Der 132 Meter hohe Kirchturm kann über 544 Treppenstufen bis auf eine Höhe von 123 Metern bestiegen werden und bietet durch Bullaugen einen guten Überblick über die Hamburger-Innenstadt.
Die Petrikirche steht am höchsten Punkt eines Geestrückens, an dem sich die erste Hamburger Siedlung bei der Hammaburg befand. Die Ursprünge der Kirche als Holzkapelle werden für spätestens Anfang des 11. Jahrhunderts angenommen, die erste urkundliche Erwähnung fand sie 1195 als ecclesia forensis (Marktkirche). Sie ist nach dem 1805 abgerissenen Mariendom die zweitälteste Kirche in Hamburg-Altstadt.

Weiter ging es dann in Richtung Rathaus.

Das Hamburger Rathaus ist der Sitz der Bürgerschaft (Parlament) und des Senats (Landesregierung) der Freien und Hansestadt Hamburg. Das architektonisch prachtvolle Gebäude an der Binnenalster wurde zwischen den Jahren 1886 und 1897 durch verschiedene Baumeister im historischen Stil der Neorenaissance errichtet. Der Turm hat eine Höhe von 112 m und ist damit eine markante Landmarke im Hamburger Stadtbild.Der dreiflügelige Granit- und Sandsteinbau besitzt eine 111 Meter breite Fassade mit einem 112 Meter hohen Mittelturm. Das Dach ist kupfergedeckt. Die hervorragende Kombination von italienischen und norddeutschen Renaissance-Elementen an der Fassade erzeugt eine harmonische Gesamtwirkung. Über 28 Fenster der Repräsentationsetage wurden auf die Fensterverdachung 28 Charakterbüsten für Vertreter der bürgerlichen Berufe gesetzt. In diesen Figuren hat der Bildhauer Aloys Denoth gleichzeitig bekannte Persönlichkeiten porträtiert.

Säule auf dem Rathausmarkt und Hamburger Wappen.

Als Vorbild zur Gestaltung des Rathausmarktes wählte man den berühmten Markusplatz in Venedig, der sich ebenfalls elegant zum Wasser hin öffnet. Der Rathausmarkt wurde nach dem Großen Brand von 1842 angelegt, dem auch das alte Rathaus an der Trostbrücke und die Häuser in der Gegend des heutigen Platzes, mit Ausnahme der neuen Hamburger Börse (1839/41) zum Opfer fiel.

Rathaus Innenhof

Zusammen mit der 1841 erbauten Börse hat das Rathaus einen prächtigen Innenhof, der vom Alten Wall und der Großen-Johannis-Straße aus öffentlich zugänglich ist. Der Innenhof mit seinen reichdekorierten Fassaden im Stil der italienischen und norddeutschen Renaissance und dem zentralen Hygieia- Brunnen, ist architektonisch gesehen einer der wohl anspruchsvollsten und gelungensten Plätze der Stadt. Man könnte meinen, man ist in Italien.

Hygieia-Brunnen

Im Innenhof wurde nicht nur Bischöfen und Grafen, die für die Geschichte der Stadt Hamburgs von Bedeutung waren, ein Denkmal geschaffen, sondern auch dem Jungen, der mit seinem Vater täglich kam, um die Arbeiter zu beköstigen.

Handelskammer und Börse

Die Handelskammer hat ihren Sitz direkt hinter dem Rathaus im selben Gebäude wie die Börse. Sie wurde im Jahre 1665 gegründet und ist damit eine der ältesten Handelskammern Deutschlands. Sie vertritt ca 150.000 Pflichtmitglieder und setzt sich vor allem für wirtschaftsfreundliche Standortbedingungen im Hamburger Wirtschaftsraum ein. Existenzgründern und Unternehmern unterstützt sie mit umfangreichen Beratungs- und Serviceangeboten. Außerdem hat sie Aufgaben im Bereich dualer Berufsausbildungen und nimmt Prüfungen ab.

Altes Rathaus

Das Rathaus an der Trostbrücke war von 1290 bis 1842 der Sitz der Bürgerschaft (Parlament) und des Senats (Landesregierung) der Freien und Hansestadt Hamburg. Heute hat die Patriotische Gesellschaft hier ihren Sitz.

Stolpersteine und Flutmarkierung am Alten Rathaus.

Von dort aus sind wir dann zur Trostbrücke gegangen.

Die Trostbrücke überspannt das Nikoaifleet in Hamburg. Sie verband ursprünglich die  bischöfliche Altstadt rund um den Bereich Dom und Petrikirche mit der gräflichen Neustadt. Hier befand sich vom Mittelalter bis zum Großen Brand 1842 das weltliche Zentrum der Stadt und der innerste Teil des Hafens. Beide Gebiete gehören heute zum Stadtteil Hamburg-Altstadt.
Die beiden Statuen auf der Brücke repräsentieren die von ihr verbundenen Gebiete: Der Heilige Ansgar als Begründer des Domes und erster Erzbischof der Stadt, steht für die Altstadt , während Graf Adolf III zu Schauenburg, Stormarn und Holstein die von ihm errichtete weltliche Neustadt vertritt.

 Graf Adolf III  Der Heilige Ansgar

Laiszhaus

Der Laeiszhof, südwestlich der Brücke, wurde 1897/98 als Kontorhaus für die Firma F. Laeisz erbaut. Die auf einem der Giebel sitzende Pudel-Figur verweist auf Sophie Laeisz, die von ihrem Gatten Carl Laeisz, dem Sohn des Firmengründers Ferdinand Laeisz, Pudel genannt wurde.

Mahnmal Nikolaikirche

Die Ruine der Hauptkirche St. Nikolai am Hamburger Hopfenmarkt ist als Mahnmal St. Nikolai „den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945“ gewidmet. Von der 1195 gegründeten und in letzter Ausführung 1874 fertiggestellten neugotischen Kirche sind nach den Kriegszerstörungen von 1943 und dem weitgehenden Abriss im Jahre 1951 noch der 147 Meter hohe Turm, ein Teil der südlichen Außenmauer und die Wände des Chors erhalten. Für eine Gedenkstätte wurden auf dem offenen Platz des ehemaligen Kirchenraums sowie in der unmittelbaren Umgebung Kunstwerke und Denkmale aufgestellt. In den Kellerräumen der Ruine richtete der 1987 gegründete Förderkreis „Rettet die Nikolaikirche e. V.“ (inzwischen umbenannt in Förderkreis Mahnmal St. Nikolai) ein Dokumentationszentrum mit einer Dauerausstellung ein.

Nikolaifleet, mit Blick auf die Speicherstadt und Elbphilharmonie. Untere Fotos: mit Blick in die andere Richtung auf die Kirche St. Katharinen.

Mit Nikolaifleet wird seit 1916 der ursprüngliche Hauptmündungsarm der Alster bezeichnet.
Hier begann 1188 die Entwicklung des heutigen Hamburger Hafens. Zwischen Holzbrücke und Hoher Brücke liegt der letzte erhaltene Fleetabschnitt mit der typischen althamburgischen Bebauung. Die schmalen, hohen Fleetfronten der Außendeichshäuser an der Deichstraße stehen denen von vier Speichern am Cremon schräg gegenüber. Bis ins 19. Jahrhundert wurden hier auf dem Wasserwege Waren in die Speicher umgeschlagen.
Nach dem Hamburger Brand (der am 5. Mai 1842 in einem an diesem Fleet gelegenen Haus der Deichstraße ausbrach) wurde die Hamburger Innenstadt gründlich umgestaltet, um Platz für ein neues Rathaus und den Rathausmarkt zu schaffen. Die Alster fließt seither über das schiffbare Alsterfleet ab.
Das Nikolaifleet ist dem Tidenhub der Elbe ausgesetzt und fällt bei Ebbe teilweise trocken. Im Falle von Sturmfluten kann es durch ein Sperrwerk unter der Hohen Brücke geschlossen werden. Ein Wehr zwischen dem Nikolaifleet und dem Mönkedammfleet riegelt den Tidenhub zu den übrigen Fleeten der Innenstadt ab.

Die Deichstraße mit den schönen alten Häusern. Hier begann der große Brand von Hamburg.

Der große Brand von Hamburg brach in der Nacht zu Himmelfahrt am 5. Mai 1842 bei dem Cigarrenmacher Cohen in der Deichstraße Nr. 44 aus und wütete bis zum 8. Mai. Er zerstörte ungefähr ein Drittel der inneren Stadt, der Altstadt, im Ganzen 4219 Gebäude in 75 Straßen, darunter das alte Rathaus und drei Kirchen und viele öffentliche Gebäude. Es kamen über 100 Menschen ums Leben, rund 20 000 wurden obdachlos. Der Schaden an Kunstwerken, Dokumenten etc. war unersetzlich, den Wert der abgebrannten Häuser berechnete man auf 49 Millionen Mark. Der Brandanfang war in der Deichstraße, in der Straße Kurze Mühren brannte das letzte Haus. Die Verlängerung der Kurzen Mühren zum Ballindamm hin heißt deshalb Brandende. Auf der folgenden Karte sieht man das ganze Ausmaß des Brandes, bei dem ein Großteil Hamburgs zerstört wurde.

Von der Deichstraße kommend sind wir über die Willy-Brand-, ehemals Ost-West-Straße zu der Straße Kleiner/Großer Burstah gegangen.

Der Große Burstah ist eine Straße in der Alststadt Hamburgs. Er verbindet die Verkehrsknotenpunkte Rödingsmarkt und Rathausmarkt. Vor dem Bau der Ost-West-Straße (heute: Willy-Brandt-Straße) nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er die Hauptverbindung von Ost nach West dar. Zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Große Burstah eine der besten Hamburger Einkaufsadressen. Eine der Nebenstraßen des Großen Burstah in Richtung Süden ist der Kleine Burstah. Am östlichen Ende überquert die Straße das Nikolaifleet. Auf der Nordseite ist dort allerdings das Gebäude der Hamburger Sparkasse über das Fleet gebaut.
Sprachforscher erklären den Namen der Straße aus „bur“ und „stah“ als „Bürgergestade“. Einer populären lokalen Hamburger Sage nach soll der Name aber von einer Auseinandersetzung von Bauern und Brauerknechten herrühren. Entweder um die Bauern aufzuhalten oder bei der Verfolgung der Bauern, riefen die Brauerknechte: „Bur stah!“ (plattdeutsch = „Bauer, bleib stehen!“). Brauerknechte waren im mittelalterlichen Hamburg von Bedeutung, da in dieser Zeit Hamburg als Stadt der Bierbrauer bekannt war. Diese nutzten den in der Nähe gelegenen Hopfenmarkt.

Der Hopfenmarkt war bei seiner Entstehung der Hauptplatz der mittelalterlichen Neustadt (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Stadtteil Hamburg-Neustadt). Hier stand auch das damalige Rathaus der Neustadt. Nach deren Vereinigung mit der Altstadt erhielt der Platz die Bezeichnung „Neuer Markt“. Auf dem Marktplatz standen 40 bis 60 Marktbuden; hier befand sich eine amtlich zugelassene Verkaufsstelle für Fleisch.
Den heutigen Namen erhielt der Platz im 14. Jahrhundert. Er leitet sich ab von Bierbrauern, die hier ihren Hopfenbedarf deckten. Später wurde der Hopfenmarkt zum Hamburger Großmarkt für Lebensmittel. Von 1897 bis zur Verlegung des Marktbetriebs auf den Deichtorplatz im Jahr 1911 wurde ausschließlich Gemüse verkauft. 1907 standen auf dem Marktplatz 900 Verkaufsstände. Noch bis Mitte 2014 fand auf dem Hopfenmarkt donnerstags ein Wochenmarkt statt. Das Bezirksamt untersagte dies jedoch, da das Warenangebot zu wenig wochenmarkttypisch sei.

Weiter ging´s zur Heiligengeistbrücke, wo das Steigenberger Hotel und die Fleetinsel ist.

Und dann zur Düsternstraße, wo wir einen Blick auf den kleinen Michel geworfen haben, der im alten Steinweg steht. Auf dem folgenden Foto sind beide Michel zu sehen.

Der Kleine Michel war zunächst eine Vorläuferkirche zur evangelischen Hauptkirche Sankt Michaelis und wurde in der Hamburger Franzosenzeit (1806-1814) zu einer römisch-katholischen Kirche geweiht. Nach der Zerstörung durch Bombardierung im Jahre 1945 wurde die Kirche mit französischer Hilfe wieder aufgebaut und 1955 erneut geweiht. Sie ist ein Gedenkort der deutsch-französischen Freundschaft. Um 1600 wurde wegen der Pesttoten außerhalb der Stadtmauern ein Friedhof mit einer Kapelle angelegt. Die Kapelle mit Turm, Wetterfahne und Glocke wurde dem Erzengel Michael geweiht. Im Jahr 1605 wurde der erste reguläre Gemeindegottesdienst gehalten. Im Jahr 1647 kaufte die inzwischen entstandene Neustadt-Gemeinde der Altstadt-Gemeinde St. Nikolai diese erste Michaelis-Kirche Hamburgs ab. Sie baute wegen der zunehmenden Bevölkerung 200 m westlich am Krayenkamp die größere Kirche St. Michaelis nach einem Beschluss der Bürgerschaft aus dem Jahr 1647. Diese wurde 1661 eingeweiht. Die alte Kirche, nunmehr „Kleiner Michel“ genannt, verfiel und wurde 1747 abgerissen. Nach dem Brand des großen Michels durch Blitzschlag am 10. März 1750 wurde der kleine Michel durch eine private Spende von Senator Joachim Caspar Vogt als Barockkirche wieder aufgebaut, 1757 eröffnet, geweiht und als Notkirche benutzt, bis 1762 die neue St. Michaeliskirche eingeweiht wurde.

Die evangelische Hauptkirche Sankt Michaelis, Michel genannt, ist die bekannteste Kirche Hamburgs und ein Wahrzeichen der Hansestadt, da sie für Seeleute auf einlaufenden Schiffen gut sichtbar ist. Sie gilt als bedeutendste Barockkirche Norddeutschlands und ist dem Erzengel Michael geweiht, der als große Bronzestatue über dem Hauptportal steht. Er ist als Sieger im Kampf über Satan dargestellt. Der Michel steht in der südlichen Neustadt zwischen Ludwig-Erhard-Straße, Krayenkamp und Englischer Planke. Der Kirchturm hat eine Höhe von 132,14 Metern.
Sankt Michaelis ist ein in Backsteinbauweise errichteter, barocker Zentralbau mit monumentalem Westturm. Als Wiederherstellung des Baus von 1762/86 ist sie die jüngste der fünf Hamburger Hauptkirchen und mit 2500 Sitzplätzen auch die größte. Der Kirchenraum hat einen kreuzförmigen Grundriss mit 44 m Breite, 52 m Länge und 27 m Höhe. Die marmorne Kanzel bildet das Zentrum des Raumes. Der heutige Bau ist der dritte Kirchenbau an dieser Stelle.
Erster Bau (1647–1750)
Am 10. März 1750 gegen 11:00 Uhr wurde die Kirche mit ungewöhnlich lautem Donner vom Blitz getroffen. Rauch und Flammen wurden ab 12:45 Uhr bemerkt. Der Brand konnte nicht mehr gelöscht werden, der Kirchturm brach im Zickzack zusammen. „Der Hauptteil des Turmes fiel auf das Kirchendach und setzte das Gotteshaus in Brand, das dadurch völlig vernichtet wurde.“
Zweiter Bau (1750–1906)
Am 3. Juli 1906 fing der Turm bei Lötarbeiten am Dachstuhl Feuer und brannte vollständig nieder. Auch das Kirchenschiff brannte bis auf die Grundmauern ab.

Dritter Bau (von 1906)
Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Umgebung durch alliierte Bombenangriffe (Operation Gomorrha) stark zerstört, während die Kirche selbst zunächst fast unbeschädigt blieb. Erst 1944 und 1945 wurde schließlich auch das Hauptschiff getroffen. Die Schäden wurden bis etwa 1952 beseitigt.

Großer Michel

Im Anschluß sind wir über die Wexstraße und Kornträgergang zum Rademachergang gegangen.

Im Rademachergang soll Hans Hummel gewohnt haben. Hans Hummel, bürgerlicher Name Johann Wilhelm Bentz, (*21. Januar 1787 in Hamburg, † 15.März 1854) war ein Wasserträger in der Hamburger Neustadt und gilt als Ursprung des Hamburger Grußes „Hummel, Hummel – Mors, Mors“.
Er ist daher die heute noch bekannteste Person der alten Hamburger Originale. Bentz, ein missmutiger Mensch, wurde der Überlieferung nach von Kindern geneckt, indem sie ihn beim Spottnamen „Hummel, Hummel“ riefen, worauf er mit „Mors, Mors“ antwortete, einer Kurzform des niederdeutschen Ausspruchs „Klei di an’n Mors“ („Kratz dich am Hintern“). In Kombination mit „Hans“ – der Kurzform seines Vornamens „Johann(es)“ – wurde er unter seinem Spitznamen Hans Hummel bekannt. Zur Herkunft des Spottnamens Hummel gibt es mehrere Erklärungen:
Der Spottname wird auf den Stadtsoldaten Daniel Christian Hummel aus der Franzosenzeit zurückgeführt, der wegen seiner Kriegserzählungen bei den Straßenkindern der Hamburger Neustadt sehr beliebt war. Nach dessen Tod zog Bentz in dessen Wohnung, woraufhin der Rufname seines Wohnungsvorgängers auf Bentz als Spitzname überging. Andererseits wird vermutet, dass sich der Name von der norddeutschen Bezeichnung „Griephummer“ oder kurz „Hummer“ ableitet, dem Spottnamender ebenfalls „greifenden“ Gerichtsdiener; „Hummer“ wurde dann sprachlich zu „Hummel“ verschliffen.
Als 1848 die Stadtwasserkunst in Hamburg-Rothenburgsort den Betrieb aufnahm, wurde Bentz arbeitslos. 1854 starb er und wurde auf Armenhauskosten auf dem Dammtorfriedhof begraben.

Brunnen mit Wasserträger (Hummelbrunnen)

Hummel steht dort an einer Säule, hinter der sich ihm zurufende Kinder verstecken. Eine weitere Kinderskulptur findet sich am Memel-Haus (Ecke Rademachergang/Breiter Gang). Dort streckt ein Junge dem Brunnen sein Hinterteil zu, siehe linkes Foto.

Darstellungen von Hans Hummel, üblicherweise mit einer dunklen Tracht und Zylinderhut  versehen und das Tragejoch mit zwei Wassereimern auf der Schulter tragend, sind an verschiedenen Stellen Hamburgs wiederzuentdecken. So zeigen ihn beispielsweise die Hamburger Wasserwerke auf ihren Wagen.

Zum Abschluß sind wir zum Großneumarkt gegangen und haben dort in dem urigen Lokal „Thämers“ den Rundgang ausklingen lassen. Siehe auch http://www.thaemers.de/

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